Wie wird die Wende in der Energiepolitik ablaufen?

Energiewende in Deutschland - mehr Stromleitungen

Nach dem Ausscheiden von Ex-Bundesumweltminister Röttgen hat die Energiewende wieder einen neuen Schub erhalten. Bundeskanzlerin Merkel und der Nachfolger im Amt Peter Altmaier haben unmißverständlich klar gemacht: Die Energiewende kommt und mit ihr erhebliche Anstrengungen und Investitionen. Der neue Minister will seine ganze Kraft in die Umsetzung des Jahrhundertprojekts setzen, welches im Übrigen eines der teuersten Projekte im Bundeshaushalt werden wird. Allein 30 Milliarden sollen in den Netzausbau investiert werden. Im Hinblick auf den Zeitplan hinkt man beim Ausbau des Stromnetzes offenbar weit hinterher. Zum einen müssen alte Trassen erneuert und darüber hinaus neue Stromtrassen geschaffen werden. Im Bereich neuer Energien ist vor allem der Ausbau der Windparks auf dem offenen Meer geplant.

Nord-Süd-Trassen müssen geschaffen werden

Kritiker der schwarz-gelben Koalition hatten bereits Zweifel am Umsetzungswillen der Bundesregierung angemeldet. Doch jetzt scheint die Energiewende wieder Fahrt aufzunehmen. Die Netzbetreiber haben sich darauf verständigt, vor allem die Nor-Süd-Trassen auszubauen. Die vier großen Übertragungsnetzbetreiber Amprion, Tennet und TransnetBW haben Ende Mai der Bundesregierung den sogenannten "nationalen Netzentwicklungsplan" vorgelegt. Dieser soll die Grundlage für den Netzausbau bilden und nunmehr im Detail ausgearbeitet werden. Ende des Jahres 2012 soll dann ein Gesetz definieren, wo die Trassen verstärkt bzw. erneuert werden sollen. Hauptziel ist es, diejenigen Regionen im Süden und Südwesten, die besonders vom Ausstieg aus der Atomenergie betroffen sind, mit Strom aus dem Norden (z.B. aus den Offshore-Windparks) zu versorgen. Der Geschäftsführer von Tennet gab an, dass er mit einem Neubedarf von rund 4000 km und einen Sanierungsbedarf von ebenfalls etwa 4000 km rechne. Die neuen Leitungen sollen bis 2022 fertiggestellt sein.

Empfehlung für Erdkabel

Amprion hat ein neues Leitungsnetz namens "Ultranet" angekündigt. Die Leitung von etwa 400 km soll den Niederrhein mit Baden-Württemberg verbinden. Offenbar sollen abeer vorhandene Masten genutzt werden. 2017 soll die neue Trasse fertig sein. Frau Merkel hat aber auch erkannt, dass die neuen Trassen durchaus Probleme bei den betroffenen Bürgern hervorrufen können. Sie zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Bürger überzeugt werden können. Wie das geschehen soll, sagt sie allerdings nicht. Offenbar ist sogar geplant, die Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und die Bürgerbeteiligung zu beschränken. Einige konkrete Trassen sind schon bekannt: von Emden in Niedersachsen nach Osterath in Nordrhein-Westfalen und von dort nach Philippsburg in Baden-Württemberg. Eine andere Trasse soll von Wehrendorf in Niedersachsen nach Urberach in hessen verlaufen. Von Brunsbüttel in Schleswig Holstein soll es nach Großgartach in Baden-Württemberg gehen. Kaltenkirchen, ebenfalls Schleswig-Holstein, soll mit dem bayerischen Grafenrheinfeld verbunden werden; Lauchstädt in Sachsen-Anhalt mit Meitingen in Bayern. Den Bürgern bleiben nunmehr sechs Wochen Stellung zu den Plänen zu nehmen, d.h. bis zum 10.07.2012. Der Netzentwicklungsplan ist über folgenden Link einsehbar: http://www.netzentwicklungsplan.de